Niš in Serbien – historische Stadt an der Nišava
- Geschrieben von Portal Editor
Einmal mehr auf der Autobahn von Izmir in Richtung Augsburg unterwegs, hatten wir für den diesmaligen Zwischenstopp zur Übernachtung während der etwa 2.400 Kilometer langen Fahrtstrecke die zweitgrößte Stadt in Serbien, Niš an der Nišava, ausgewählt.
Mit seinen ca. 257.000 Einwohner, den Museen, Theatern, der Universität und sonstigen kulturellen Einrichtungen sowie seinem Handels- und Industrieanlagen bietet Niš das durchaus lebendige Bild eines florierenden Mittelzentrums etwa 250 Kilometer von den Toren Belgrads entfernt.
Siedlungsspuren bis weit in die Vergangenheit
Von Skopje in Mazedonien waren wir dem Verlauf der Europastraße 5 gefolgt, die heute teilweise mit E75 und teilweise mit E80 bezeichnet wird und in vielen Teilstücken dem ehemaligen Streckenverlauf der strategischen, römischen Straße Via Militaris entspricht. Grabungen in Niš zeigten erste Besiedlungen der Region aus den Jahren um 6.000 vor Christus auf. Als vordringende Kelten auf ihren Ausdehnungs- und Raubwanderzügen im 3. Jahrhundert vor Christus die sich angesiedelten Illyrer von hier vertrieben hatten, gründeten die Kelten eine erste Siedlung, die Navissos genannt wurde.
Römer erobern die Keltensiedlung Navissos
Nur wenig später eroberten die vordringenden Römer die Keltensiedlung Navissos und so wurde, auf römische Anordnung hin, auch der Name um 75 vor Christus in Naissus umgewandelt. Wie üblich bauten die Römer auch hier ihre Lagerbefestigungen, die in Naissus zu den wohl imposantesten Kastellen des gesamten Balkan zu zählen waren. Mit dem schnellen Ausbau der Straße Via Militaris nahm auch die Bedeutung der Garnisonsstadt Naissus noch zu, was auch durch den mit dem Straßenbau einhergehenden Aufschwung durch Handel und Handwerk zusammen hing. Jetzt waren Güter leicht von Konstantinopel über Adrianopel – Philippopolis – Serdica – Naissus sehr bequem bis nach Singidunum (dem heutigen Belgrad) zu transportieren, gut bewacht durch die römische Soldaten in den Kastellen entlang der Via Militaris.
Um 280 nach Christus wurde der spätere „Konstantin der Große“ in Naissus geboren, der römische Kaiser, der das Christentum maßgeblich im Reich privilegierte und es damit letztendlich zur Staatsreligion machte. Nach dem beginnenden Zerfall des Römischen Imperiums gehörte ab 395 nach Christus Naissus zu Byzanz. Als in den Jahren um 580 nach Christus erste Slawen in der Region ansiedelten, war auch der Schritt zur Namensänderung zum noch heute gültigen Niš nur noch ein kleiner Schritt. Mit der vollständigen Eroberung der Stadt durch Slawen und Awaren war dann die Herrschaft der römisch-byzantinischen Epoche im Moravatal für einige Jahrhunderte vorbei.
Kaiser Barbarossa passiert Nis als Kreuzfahrer
Stämme unter dem Khan Krum aus Bulgarien konnten Niš um das Jahr 809 erobern. Mit der erneuten Übernahme durch Byzanz war allerdings auch diese Periode bereits 1018 wieder beendet. Mit dem serbischen Fürsten Stefan Nemanja kam erstmals im Jahr 1185 ein serbischer Regent in den Besitz der Stadt Niš. Als Kaiser Barbarossa nur vier Jahre später als Kreuzfahrer entlang der Via Militaris nach Konstantinopel und weiter Richtung Kleinasien zog, empfing Stefan Nemanja den Kaiser in Niš, seiner gewählten Hauptstadt. In den folgenden Jahren wechselten die herrschaftlichen Strukturen meist zwischen den Bulgaren und den Serben hin und her.
Das Stambol Tor in Richtung Istanbul
Als im Jahr 1385 die Osmanen die Stadt eroberten, begann eine lange Phase osmanischer Bau- und Herrschaftsstruktur für Niš, die bis heute in zahlreichen Gebäuden, hier vor allem der Festungsanlage, aber auch in der Sprachstruktur der Serben zu erkennen ist. Die Festungsanlage entstand im frühen 18. Jahrhundert auf den Fundamenten römischer und mittelalterlicher Gebäude auf der rechten Uferseite des Nišava als unregelmäßiges Vieleck. Zum Bauen wurden neben einer Vielzahl an Resten ehemals römischer Gebäude, Monumente und Sarkophage vor allem Steine aus dem nahe gelegenem Steinbruch Hum genutzt. Noch heute sind die vier großen Stadttore in gutem baulichem Zustand, in dem selbst noch die Holztore erhalten sind. Je nach der örtlicher Ausrichtung des Tores deuten die Namen auf die jeweiligen Zielorte hin: das Stambol Tor in Richtung Istanbul, das Belgrad Tor und das Vidin Tor. Nur das Große Tor bildet hiervon eine Ausnahme. In früherer Zeit war die gesamte Festung auch von einem Wassergraben umgeben, der bei Bedarf mit dem Wasser aus dem Fluss Nišava gefüllt werden konnte.
Für Händler und Handwerker gab es kleine Siedlungen innerhalb der Festungsmauern, auch Barracken für die Soldaten, natürlich fehlten auch die Andachtsstätten nicht. Bis heute ist die Bali-beg Moschee aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Auch ein Hamam aus dem 15. Jahrhundert als eines der ältesten nicht religiösen Gebäude ist erhalten geblieben. Da für die Osmanen von wichtiger strategischer Bedeutung, blieb die Festung von Niš bis in das Jahr 1877 trotz serbischer Vorherrschaft in der Umgebung unter türkischer Kontrolle.
Heute gehört die Festung von Niš zu den wichtigen Kulturdenkmälern der Stadt und ist Mittelpunkt diverser Kultur- und Kunstveranstaltungen, so auch das Nišville Jazz Festival und das Kultur-, Film- und Musikfestival E-Fortress Festival.
Der Totenschädelturm der Osmanen
Während der osmanischen Herrschaft war Niš eine der wichtigsten Städte in der europäischen Türkei, ja sogar Sitz eines Pascha mit zugehörigem Vilayet. Als sich in den Jahren zwischen 1804 und 1813 die Serben durch Aufstände der osmanischen Vorherrschaft entledigen wollten, konnte Niš zwar kurzzeitig unter serbische Kontrolle gebracht werden, allerdings während der dann folgenden Belagerung durch die Osmanen aufgrund von Munitionsengpässen nicht gehalten werden. Am 31. Mai 1809 sprengten sich über 1000 Aufständische mit der Restmunition in die Luft, woraufhin die Osmanen als Warnung für die Zukunft den sogenannten Totenschädelturm (Ćele Kula) errichteten, in dem die Schädel von 1.836 gefallenen Kriegern eingemauert wurden. Bis heute ist der Schädelturm ein nationales Mahnmal der Serben.
Aktuell werden wieder Ausgrabungen im Stadtteil Mediana durchgeführt, wobei direkt im Stadtkern bedeutende römische Funde entdeckt wurden.
Koordinaten: 43° 19′ N, 21° 54′ O Koordinaten: 43° 19′ 28″ N, 21° 54′ 18″ O
Niš in Serbien – Kultur-Stadt an der Nišava
Niš, eine der ältesten Städte Europas, liegt im Süden Serbiens an den Ufern der Nišava. Diese geschichtsträchtige Stadt war ein bedeutendes Zentrum des Römischen Reiches, spielte eine Schlüsselrolle während des Osmanischen Reiches und ist heute eine pulsierende Metropole mit einer faszinierenden Mischung aus Geschichte, Kultur und modernem Stadtleben.
Von römischen Ruinen über mittelalterliche Festungen bis hin zu bewegenden Gedenkstätten – Niš ist ein Ort, der Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise vereint. In diesem Blog tauchen wir tief in die Geschichte, Sehenswürdigkeiten und die kulturelle Bedeutung dieser beeindruckenden Stadt ein.
Die Geschichte von Niš – Ein Zeitreise durch Jahrtausende
Niš wurde schon in der Antike besiedelt und hat eine bewegte Geschichte voller Eroberungen, Zerstörungen und Wiederaufbauten hinter sich.
1. Römische Ära – Die Geburtsstadt von Kaiser Konstantin dem Großen
Niš war unter dem Namen Naissus eine der wichtigsten Städte des Römischen Reiches. Besonders bekannt ist sie als Geburtsort von Kaiser Konstantin dem Großen (272 n. Chr.), dem Herrscher, der das Christentum im Römischen Reich legitimierte.
Sehenswerte römische Überreste in Niš:
Mediana – Eine antike römische Villa mit beeindruckenden Mosaiken und Badeanlagen.
Römische Festungsruinen – Spuren der alten Stadtmauern aus der römischen Zeit.
2. Mittelalter und Osmanische Herrschaft
Nach dem Fall des Römischen Reiches wurde Niš von verschiedenen Völkern erobert – darunter die Byzantiner, Slawen und Bulgaren. Im 15. Jahrhundert fiel die Stadt unter osmanische Herrschaft, die fast 500 Jahre andauerte.
Aus dieser Zeit stammen einige der bedeutendsten Bauwerke der Stadt:
🏯 Die Festung von Niš – Eine der am besten erhaltenen osmanischen Festungen auf dem Balkan.
⚔ Der Schädelturm (Ćele Kula) – Ein einzigartiges Denkmal aus den serbischen Aufständen gegen die Osmanen.
3. 20. Jahrhundert – Kriege und Widerstand
Niš spielte eine wichtige Rolle in beiden Weltkriegen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt von Nazi-Deutschland besetzt, doch der Widerstand der Partisanen war stark. Heute erinnert das Rote-Kreuz-Konzentrationslager an die tragischen Ereignisse dieser Zeit.
Sehenswürdigkeiten in Niš – Die Highlights der Stadt
Niš bietet eine Fülle von historischen Stätten, lebhaften Märkten und kulturellen Hotspots. Hier sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten:
1. Die Festung von Niš – Ein Wahrzeichen der Stadt
Die Niš-Festung liegt im Herzen der Stadt und wurde auf den Überresten einer römischen und mittelalterlichen Festung errichtet. Sie ist heute ein beliebter Treffpunkt mit Cafés, Galerien und einem Amphitheater für Veranstaltungen.
2. Der Schädelturm (Ćele Kula) – Ein Mahnmal des Widerstands
Dieses Denkmal ist eines der eindrucksvollsten und erschütterndsten Symbole des serbischen Freiheitskampfes. Es wurde aus den Schädeln serbischer Rebellen errichtet, die im Ersten Serbischen Aufstand gegen die Osmanen kämpften.
3. Mediana – Römisches Erbe hautnah erleben
Diese archäologische Stätte zeigt die Überreste eines luxuriösen römischen Palastes mit gut erhaltenen Mosaiken und Thermen – ein Muss für Geschichtsinteressierte.
4. Das Rote-Kreuz-Konzentrationslager – Ein dunkles Kapitel der Geschichte
Dieses ehemalige Konzentrationslager erinnert an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und bietet eine tief bewegende Ausstellung über die Opfer des Nazi-Regimes.
5. Die Nišava-Promenade – Das moderne Gesicht der Stadt
Entlang des Flusses Nišava findet man eine lebendige Atmosphäre mit vielen Restaurants, Bars und Cafés – ideal, um das serbische Stadtleben zu genießen.
Kultur und Kulinarik in Niš – Ein Fest für die Sinne
Niš ist nicht nur für seine Geschichte bekannt, sondern auch für seine lebendige Kultur und seine köstliche Küche.
1. Musik und Festivals in Niš
Nišville Jazz Festival – Eines der größten Jazz-Festivals in Südosteuropa.
Film- und Theaterfestivals – Niš hat eine starke Kunstszene mit regelmäßigen Events.
2. Serbische Spezialitäten aus Niš
Ćevapi – Gegrillte Hackfleischröllchen, oft mit Fladenbrot serviert.
Leskovački roštilj – Berühmte Grillgerichte aus der Region.
Prebranac – Ein deftiger Bohneneintopf.
Serbischer Rakija – Ein traditioneller Obstbrand, oft selbstgemacht.
Beste Reisezeit und Tipps für Niš-Besucher
✔ Beste Reisezeit: Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober) sind ideal für Stadtbesichtigungen.
✔ Anreise: Niš hat einen internationalen Flughafen mit Verbindungen in viele europäische Städte.
✔ Unterkunft: Von Boutique-Hotels bis hin zu günstigen Hostels gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten.
Fazit – Warum du Niš besuchen solltest
Niš ist eine Stadt mit reicher Geschichte, beeindruckenden Sehenswürdigkeiten und einer herzlichen Gastfreundschaft. Hier kann man auf den Spuren der Römer wandeln, faszinierende mittelalterliche Bauwerke entdecken und das echte serbische Leben genießen.
Ob du ein Geschichtsfan, Kulturliebhaber oder Feinschmecker bist – Niš hat für jeden etwas zu bieten. Plane deinen nächsten Städtetrip nach Serbien und entdecke die Magie dieser historischen Stadt an der Nišava!
Warst du schon einmal in Niš? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!
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